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Linux-Kurs – Grafische Benutzeroberfläche

https://linuxkurs.ch

Gratuliere! Du konntest dein Linux System kennenlernen und die ersten Konfigurationsschritte durchführen. In diesem Kursteil geht es darum die grafische Benutzeroberfläche einzurichten.

Systeminitialisierung

Slackware nutzt einen BSD-ähnlichen Init-Prozess. Bei BSD handelt es sich um ein ursprüngliches Unix-System. Unix gilt als Vorläufer von Linux. Die Unix-Variante Minix, deren Quellcode Teil des Lieferumfangs war, gilt als Vorläufer von Linux.

Minix hat den Entwickler Linus Torvalds zu Beginn der 90er Jahre dazu bewegt den freien Klon Linux zu programmieren. Seine erste Mail an die Minix-Mailingliste sah wie folgt aus:

Hello everybody out there using minix.

I'm doing a (free) operating system (just a hobby, won't be big and professional like gnu) for 386(486) AT clones. This has been brewing since april, and is starting to get ready. I'd like any feedback on things people like/dislike in minix, as my OS resembles it somewhat (same physical layout of the file-system (due to practical reasons) among other things).

I've currently ported bash(1.08) and gcc(1.40), and things seem to work. This implies that I'll get something practical within a few months, and I'd like to know what features most people would want. Any suggestions are welcome, but I won't promise I'll implement them :-)

Linus (torv...@kruuna.helsinki.fi) ...

Linux 1.0, wurde am 14. März 1994 veröffentlicht.

Tausende Entwickler aus der ganzen Welt arbeiten seither täglich an der Weiterentwicklung des Projektes. Aufgrund der erstklassigen Code-Qualität und der freien Verfügbarkeit wurde Linux zum meist verbreitetsten Betriebssystem der Welt.

Doch wie läuft der Start deines Linux-Systems ab? Zunächst startet der Bootloader (LILO) den Kernel. Dieser lädt den init Prozess mit der Prozessnummer 1, welcher für eine ordnungsgemässe Initialisierung des Systems sorgt. Alle weiteren Programme werden entweder direkt vom init Prozess gestartet oder von einem seiner untergeordneten Prozesse.

init wird in der Datei /etc/inittab konfiguriert, in der auch die Runlevel definiert werden. Über die Runlevel wird festgelegt, wie das System gestartet wird und welche Dienste im laufenden System verfügbar sein sollen.

Unter Slackware ist der Standard-Runlevel 3, was dem multiuser mode entspricht. Die Konfiguration der jeweiligen Runlevel erfolgt über Konfigurationsdateien im Verzeichnis /etc/rc.d. Es folgt eine Übersicht der verfügbaren Runlevel und eine kurze Funktionsbeschreibung:

Runlevel Beschreibung Konfigurationsdatei
0 Systemstopp /etc/rc.d/rc.0
1 Einzelbenutzer-Modus, nur root ist verfügbar, kein Netzwerk /etc/rc.d/rc.K
2 ungenutzt, entspricht Runlevel 3
3 Mehrbenutzermodus, Start in die tty, Netzwerkdienste sind verfügbar /etc/rc.d/rc.M
4 Start der grafischen Oberfläche und des Display Managers /etc/rc.d/rc.4
5 unbenutzt, entspricht Runlevel 3
6 Systemneustart /etc/rc.d/rc.6

Runlevel 3 startet keine grafische Oberfläche. Du kannst dich bereits an den ttys als root oder mit dem von dir erstellten Benutzerkonto anmelden. Da wir aber direkt in die grafische Anmeldung starten, muss der Default Runlevel auf 4 geändert werden.

Bearbeite dazu die Datei /etc/inittab mit dem Editor vim.

vi /etc/inittab

Die Zeile initdefault legt fest, in welchen Runlevel das System standardmässig gestartet werden soll.

Ersetze die 3 durch eine 4 und verlasse den Editor mithilfe von Esc :wq!.

X Server

Bevor du in den grafischen Modus startest, muss noch das Tastaturlayout für den X-Server angepasst werden. Der X-Server dient als Basis für die Darstellung von grafischen Applikationen. Er wird oftmals als Xorg oder einfach nur als X bezeichnet und ist unter anderem für das Laden der richtigen Treibermodule verantwortlich.

Auf modernen Linux-Systemen wird ein Grossteil der Hardware automatisch erkannt. Auch der Tastaturtreiber wird beim Start von X mitgeladen, allerdings sofern nicht anders konfiguriert, mit dem US-Tastaturlayout. Dies ist in der Paket-Konfigurationsdatei /usr/share/X11/xorg.conf.d/90-keyboard-layout-evdev.conf vordefiniert.

Schaue dir die Datei mit dem Befehl less an. Bei less handelt es sich um ein ähnliches Kommando wie more. Es bietet einige erweiterte Funktionen, wie zum Beispiel eine detaillierte Statusanzeige am unteren Bildschirmrand. Getreu dem Motto 'less is more'.

less /usr/share/X11/xorg.conf.d/90-keyboard-layout-evdev.conf

Diese Konfigurationsdatei können wir als Vorlage für unsere eigenen Anpassungen nutzen. Dazu muss sie in das Xorg Konfigurationsverzeichnis in /etc kopiert werden. Im /etc Verzeichnis findest du einen Grossteil der Konfigurationsdateien deines Linux-Systems.

Kopiere die Paket-Konfigurationsdatei /usr/share/X11/xorg.conf.d/90-keyboard-layout-evdev.conf mithilfe des cp Befehls in das Verzeichnis /etc/X11/xorg.conf.d. Konfigurationsdateien im Verzeichnis /etc/X11/ werden bevorzugt abgearbeitet, was es uns ermöglicht, spezifische Einstellungen vorzunehmen.

cp /usr/share/X11/xorg.conf.d/90-keyboard-layout-evdev.conf /etc/X11/xorg.conf.d/
vi /etc/X11/xorg.conf.d/90-keyboard-layout-evdev.conf

Ändere die Option XkbLayout, sodass der Wert deinem Tastaturlayout entspricht. Für die Schweiz wäre dies ch:

Entferne zusätzlich das Raute-Symbol (#) vor der Option XkbVariant und füge zwischen den Anführungszeichen den Wert de_nodeadkeys ein. Durch diese Option wird sichergestellt, dass sich alle Sonderzeichen korrekt eingeben lassen. Speichere die Datei ab und verlasse den Editor.

Für ein deutsches Tastaturlayout wäre XkbLayout de und XkbVariant nodeadkeys die passende Wahl.

Displaymanager XDM

Ein Displaymanager bietet dir die Möglichkeit dich grafisch an deinem Computer anzumelden. Unter Linux gibt es eine grosse Auswahl verschiedener Displaymanager (DM).

Welcher Displaymanager gestartet wird, kann in der Runlevel Datei /etc/rc.d/rc.4 definiert werden. Du kannst dir den Inhalt der Datei mithilfe des view Kommandos anschauen. view öffnet die Datei im Editor vim, allerdings nur-lesend. Verlassen kannst du vim wie gewöhnlich mit Esc :q!. view /etc/rc.d/rc.4

Die Datei wird eingeleitet mit #! /bin/sh. Daran erkennst du, dass es sich um ein Shell-Script handelt. Ein Grossteil der Linux-Systeminitialisierung erfolgt durch Shell-Scripte und ist damit sehr einfach nachzuvollziehen.

Die Zeilen mit der Raute am Anfang sind Kommentarzeilen. Der erste Befehl startet in der Zeile echo "Starting up X11.... echo ist ein Ausgabebefehl. Der Text zwischen den Anführungszeichen ist das, was später beim Systemstart angezeigt wird.

Im weiteren Verlauf wird im Wesentlichen geprüft, ob ein Displaymanager vorhanden ist. Falls ja, wird dieser mithilfe des exec Kommandos gestartet. Dabei wird die Datei von oben nach unten abgearbeitet. Würde also der KDE Displaymanager unter /opt/kde/bin/kdm oder (elif) /usr/bin/kdm gefunden, würde dieser vor XDM gestartet. Da wir die Paketgruppe KDE während der Installation abgewählt haben, startet der nächste verfügbare DM, was XDM entspricht.

Start in die grafische Oberfläche

Starte dein System mithilfe des reboot Kommandos oder durch Aufruf des init Kommandos für den Reboot-Runlevel neu:

reboot oder alternativ: init 6

Nach dem Neustart wird dein Linux-System nicht wie bisher die Textkonsole, sondern die grafische Oberfläche starten. Es begrüsst dich mit dem (zugegebenermassen nicht besonders schönen) Displaymanager XDM.

Melde dich mit deinem Benutzernamen und dem von dir vergebenen Passwort an (das Passwort wird während der Eingabe nicht angezeigt.):

Es startet die Desktopumgebung Xfce, da wir diese als bevorzugte Desktopumgebung mit dem Programm xwmconfig festgelegt haben.

Es öffnet sich der Xfce Desktop in seiner Standardkonfiguration:

  1. Das Anwendungsmenü. Hier findest du alle wichtigen Programme.
  2. Der Infobereich. Über einen Klick auf deinen Benutzernamen kannst du dich abmelden oder das System herunterfahren. Links daneben findest du den sogenannten Systray, in dem Applikationen ihre Icons ablegen können.
  3. Der Schnellstarter. Über ihn hast du mit einem Klick Zugriff auf deine bevorzugten Anwendungen. Jeder erneute Klick auf ein Icon startet ein weiteres Fenster der Applikation.

Xfce Terminal

Öffne ein Terminal. Du findest das Symbol dazu im Schnellstarter.

Es wird der Xfce Terminal-Emulator (xfce4-terminal) gestartet.

Terminal Farbschema

Das Xfce Terminal verwendet ein eigenes Farbschema, das sehr schlecht lesbar ist. Es empfiehlt sich, bevor du mit der Konfiguration fortfährst, die Farben zu ändern. Öffne dazu den Menüpunkt Bearbeiten -> Einstellungen und klicke auf den Reiter Farben. Wähle bei den Presets das Farbschema Tango.

Wenn du möchtest, kannst du unter dem Reiter Aussehen die Schriftart etwas verkleinern. Monospace 11 hat sich gut bewährt. Hinweis: In den Kursunterlagen verwenden wir aufgrund der besseren Lesbarkeit weiterhin die Defaultschriftgrösse.

Netzwerkkonfiguration

Um den Zugriff zum Internet herstellen zu können, muss der NetworkManager-Dienst aktiviert und gestartet werden. Da du als normaler Benutzer und nicht als root angemeldet bist, musst du zunächst Root-Rechte erlangen, um Änderungen an Systemdiensten vornehmen zu können.

Gebe dazu den Befehl su - im Terminal ein. Du wirst nach dem Root-Passwort gefragt. Du siehst das Passwort wie üblich während der Eingabe nicht. Aktiviere daraufhin den NetworkManager-Dienst beim Systemstart, indem du die Datei /etc/rc.d/rc.networkmanager mit chmod als ausführbar markierst. Damit der Service auch in der laufenden Sitzung gestartet wird, kannst du das Script mit dem Parameter start aufrufen: /etc/rc.d/rc.networkmanager start

su -
chmod +x /etc/rc.d/rc.networkmanager
/etc/rc.d/rc.networkmanager start

Um eine Verbindung mit dem Internet via WLAN herzustellen, klicke in Xfce auf das Netzwerksymbol. Du findest es im Infobereich, links neben deinem Benutzernamen (in diesem Beispiel Linux User). Solltest du dein Linux-System in einer virtuellen Maschine installiert haben, ist dieser Schritt nicht notwendig.

Netzwerkverbindung herstellen

Suche in der Liste dein WLAN-Netzwerk. Es kann möglich sein, dass ein Untermenü mit dem Titel Weitere Netzwerke angezeigt wird. Solltest du dein WLAN in der Hauptübersicht nicht finden, schaue auch dort nach.

Nachdem du das richtige Netzwerk ausgewählt hast, öffnet sich ein Dialog zur Eingabe des WLAN-Passwortes. Gebe dort den Schlüssel für dein WLAN ein und klicke auf Verbinden.

Klicke daraufhin mit der rechten Maustaste auf das Netzwerksymbol und wähle den Punkt Verbindungen bearbeiten:

In der Übersichtsseite sollte im Bereich Funknetzwerk dein WLAN aufgeführt sein. Wähle es aus und Klicke auf das Zahnradsymbol:

Unter dem Reiter 'Allgemein' muss der Punkt Alle Benutzer dürfen dieses Netzwerk verwenden angehakt sein. Nur so ist sichergestellt, dass die Verbindung beim nächsten Anmelden automatisch wiederhergestellt wird.

System aktualisieren

Nachdem du erfolgreich dein Netzwerk einrichten konntest, solltest du zuerst dein System aktualisieren. Dies geht am einfachsten mit aktiver Internetverbindung, da du so die Updates bequem online herunterladen kannst. Slackware bietet dazu ein Tool mit dem Namen slackpkg.

Öffne ein Xfce Terminal und erlange mit su - Root-Rechte.

Vorab muss ein Mirror freigeschaltet werden, von dem die Pakete bezogen werden sollen. Bei einem Mirror handelt es sich um einen Internetserver, der die Slackware Pakete spiegelt und via Internetprotokoll wieder zum Download anbietet. Somit verteilt sich die Last auf mehrere Paketserver.

Die Konfiguration erfolgt in der Datei /etc/slackpkg/mirrors. Öffne sie mit dem vim, um sie zu bearbeiten.

vi /etc/slackpkg/mirrors

Die Konfigurationsdatei besteht im Wesentlichen aus einer sehr langen Liste mit Spiegelservern. Diese sind standardmässig auskommentiert.

Es gilt nun einen Spiegelserver in der Nähe zu wählen und diesen zu aktivieren. Scrolle mit den Pfeiltasten nach unten bis du den Bereich SWITZERLAND (CD) siehst. Wähle dort den Spiegelserver ftp://ftp.gwdg.de/pub/linux/slackware .... Wichtig ist, dass du den Mirror für die slackware64 Version verwendest. Entferne die Raute vor der Zeile und verlasse den Editor, nachdem du deine Änderungen abgespeichert hast.

Mithilfe des Kommandos slackpkg update kannst du die Metadaten aktualisieren. Dort ist vermerkt, ob neue Pakete zur Verfügung stehen:

slackpkg update

Ist dies erfolgt, lassen sich alle Pakete mithilfe des slackpkg upgrade-all Kommandos aktualisieren, falls neuere Versionen online verfügbar sind:

slackpkg upgrade-all

Da du das Kommando das erste Mal aufrufst, kann eine grosse Anzahl von Updates aufgeführt werden. Der Vorgang der Installation dauert eine Weile. Wie bekannt, kannst du in der Liste mit den Pfeil-hoch / Pfeil-runter Tasten navigieren. Die Space Taste erlaubt es dir einzelne Elemente ab- oder anzuwählen. Mit Tab kannst du zwischen den Optionen hin- und herwechseln. Du kannst die Installation der Aktualisierungen mit Enter auslösen, wenn der OK Button blau hinterlegt ist:

Falls mit den Aktualisierungen auch der Kernel upgedatet wurde, wirst du gefragt, ob der Bootloader LILO neu geschrieben werden soll. Jedes Mal, wenn du einen neuen Kernel installierst, solltest du dies durchführen. Beantworte daher die Frage mit Y:

Nach jeder Kernelaktualisierung sollte der Rechner neu gestartet werden.

Neue Konfigurationsdateien

Üblicherweise werden mit neuen Paketen auch neue Versionen von Konfigurationsdateien mitgeliefert. Grundsätzlich ist es gut die neuen Dateien zu übernehmen. Solltest du allerdings Anpassungen an Systemkonfigurationen vorgenommen haben, würden diese durch die neuen Dateien überschrieben. Da wir aktuell noch keine betroffene Systemdatei bearbeitet haben, können wir die Option O für Overwrite wählen. In Zukunft ist es aber zu empfehlen entweder K für *Keep the old files** oder P für Prompt zu wählen. Bei Prompt hast du die Möglichkeit für jede neue Konfigurationsdatei individuell zu entscheiden, ob du die Änderungen übernehmen möchtest oder die alte Version der Konfigurationsdatei behalten möchtest.

Falls du K für Keep wählst, hast du zu einem späteren Zeitpunkt immer noch die Möglichkeit mithilfe des Befehls slackpkg new-config diesen Dialog erneut aufzurufen.

Hinweis: slackpkg update und slackpkg upgrade-all solltest du regelmässig ausführen, um dein System auf dem aktuellen Stand zu halten.

Reboot aus Xfce

Damit du den Neustart einfach aus Xfce heraus auszulösen kannst, klicke mit der rechten Maustaste auf das Benutzermenü und wähle den Punkt Eigenschaften:

Setze im Bereich Aktionen den Haken bei Neustarten:

Jetzt ist im Benutzermenü neu der Punkt Neustarten verfügbar, der es dir ermöglicht einfach über die Oberfläche das System neu zu starten:

Nachdem du das System neu gestartet hast und du dich wieder angemeldet hast, kannst du noch einige wichtige Konfigurationen vornehmen.

Firefox und Thunderbird auf Deutsch

Die meisten Applikationen, die von Slackware mitgeliefert werden, sind bereits auf Deutsch verfügbar. Lediglich Firefox und Thunderbird starten standardmässig in englischer Sprache. Um diese auf Deutsch umzustellen, ist es einmalig notwendig die Spracherweiterungsdatei herunterzuladen und zu aktivieren.

Gehe dazu wie folgt vor:

Firefox

Starte den Webbrowser Firefox aus dem Anwendungsmenü in der Kategorie Internet:

Öffne die folgende URL: https://addons.mozilla.org/en-US/firefox/language-tools/

Du siehst, dass die Seite in drei Spalten aufgeteilt ist. Links steht die Sprache, in der zweiten Spalte findest du die entsprechenden Sprachpakete und in der dritten Spalte die dazugehörigen Wörterbücher:

Suche in der Liste nach German und klicke auf den Namen des Sprachpaketes Deutsch (DE) Language Pack

Klicke auf der sich öffnenden Seite auf den Knopf + Add to Firefox:

Die erfolgreiche Installation des Plugins wird durch Firefox mit einem Pop-up bestätigt. Klicke auf OK:

Möchtest du auch ein Wörterbuch für die Rechtschreibprüfung verwenden, kannst du dieses ebenfalls über die URL: https://addons.mozilla.org/en-US/firefox/language-tools/ installieren.

Wähle in der rechten Spalte das Wörterbuch aus, welches du verwenden möchtest. Für die Schweiz wäre dies beispielsweise German Dictionary (Switzerland):

Die Installation des Wörterbuches erfolgt analog zur Installation des Sprachpaketes.

Damit beim Start von Firefox die Sprache automatisch auf Deutsch einstellt ist, muss eine erweiterte Konfigurationsoption angelegt werden.

Gebe dazu in der Adressleiste about:config ein (ohne http, https oder ftp davor). Die angezeigte Warnung kannst du mit I accept the risk! bestätigen. Nun klickst du auf Show All.

Nun wird in der Suchleiste nach intl.locale.requested. Da dieser Wert noch nicht vorhanden ist, wählst du als Datentyp String aus und klickst rechts auf das Plus.

In dem neu erstellten Attribut gibst du jetzt den Wert de ein und bestätigst dies mit dem Haken.

Du kannst Firefox schliessen. Wenn du ihn das nächste Mal startest, wird die Benutzeroberfläche in deutscher Sprache dargestellt.

Thunderbird

Um Thunderbird auf Deutsch umzustellen, starte das E-Mail-Programm aus dem Anwendungsmenü in der Kategorie Internet.

Den Kontoeinrichtungsassistenten kannst du vorerst mit X schliessen. Dieser wird beim nächsten Start von Thunderbird erneut angezeigt.

Öffne das Menü mit einem Klick auf die drei horizontalen Striche und wähle den Punkt Add-ons:

Im neu geöffneten Tab gibst du in das Suchfeld Deutsch ein:

Füge das Sprachpaket Deutsch (DE) Language Pack (Thunderbird) über einen Klick auf + Add to Thunderbird hinzu.

Es öffnet sich ein neues Bestätigungsfenster, bei welchem du auf Add klicken kannst.

Möchtest du auch das passende Wörterbuch für die Rechtschreibprüfung installieren, kannst du zurück zum Add-ons Manager wechseln und dort erneut im Suchfeld nach Deutsch suchen.

Für die Schweiz wäre das passende Wörterbuch German dictionary (de_CH).

Die Installation des Wörterbuches erfolgt analog zur Installation des Sprachpaketes.

Damit beim Start von Thunderbird die Sprache automatisch auf Deutsch einstellt ist, muss hier ebenfalls eine erweiterte Konfigurationseinstellung vorgenommen werden.

Wähle dazu in der Hauptansicht (Reiter Home) im Menü den Punkt Preferences:

Unter General kannst du nun beim Abschnitt Language die neu installierte Sprache German auswählen:

Nun kannst du bei der neuen Meldung auf Anwenden und neu starten klicken.

Beim nächsten Start von Thunderbird sollte die Anwendung in deutscher Sprache angezeigt werden und du kannst den Assistenten nutzen, um dein E-Mail-Postfach einzurichten.

Desktop Anpassungen

Der Xfce Desktop ist bereits gut vorkonfiguriert. Einige kleine Anpassungen erleichtern jedoch die tägliche Arbeit.

Composite-Effekte

Xfce bietet die Möglichkeit der Einstellung von Composite-Effekten, wie zum Beispiel der transparenten Darstellung von Fenstern beim Verschieben. Einige grundlegende Effekte sind standardmässig aktiviert. Die Einstellungen findest du im Anwendungsmenü unter Einstellungen -> Feineinstellungen der Fensterverwaltung unter dem Reiter Komposit. Möchtest du zum Beispiel erreichen, dass bei einem Fensterwechsel mit Alt + Tab nur Symbole und keine Vorschaubilder angezeigt werden, könntest du den Haken bei Beim Fensterwechsel eine Fenstervorschau anstelle der Symbole anzeigen deaktivieren:

Standardmässig wird beim Fensterwechsel mit Alt + Tab ein Rahmen um das aktive Fenster gezeichnet. Falls du dies als störend empfindest, kannst du unter dem Reiter Fensterwechsel den Haken vor dem Punkt Während des Fensterwechsels einen Rahmen um die ausgewählten Fenster zeichnen entfernen:

Mauszeigerdesign

Passend zum Standard-Theme mit dem Namen Adwaita gib es ein angepasstes Mauszeigerdesign. Öffne dazu im Anwendungsmenü den Punkt Einstellungen -> Maus und Touchpad

Wähle dort unter dem Reiter Mausthema als Standard Adwaita aus:

Fenster einrollen

Der bei Xfce zum Einsatz kommende Windowmanager heisst Xfwm. Dabei handelt es sich um den Teil der Xfce-Desktopumgebung, der unter anderem für die Platzierung von Fenstern auf dem Desktop, für das Zeichnen der Fensterrahmen und für das Verschieben, Verändern der Grösse und dem Schliessen von Fenstern verantwortlich ist. Er bietet zusätzlich die Möglichkeit Fenster einzurollen. Dabei wird der Inhalt des Fensters durch einen Klick auf das einrollen Symbol ausgeblendet und bei einem erneuten Klick wieder eingeblendet. Probiere es zum Beispiel mit einem Terminal-Fenster einmal aus:

Falls du diese Funktion nicht nutzen möchtest, kannst du sie in den Systemeinstellungen deaktivieren. Wähle dazu im Anwendungsmenü den Punkt Einstellungen -> Fensterverwaltung.

Im unteren Bereich hast du die Möglichkeit die Anordnung zu ändern oder Knöpfe zu verstecken. Um den Einrollen-Knopf auszublenden, wähle ihn mit der linken Maustaste an und verschiebe ihn mit gedrückt gehaltener linker Maustaste in den Bereich Versteckt.

kdesu

Einige der vorinstallierten grafischen Applikationen wie Zenmap (as root) oder wpa_gui erfordern die Eingabe des Root-Passworts über ein Hilfsprogramm mit dem Namen kdesu. Da wir die KDE-Paketgruppe nicht mitinstalliert haben, ist dieses Programm bisher nicht verfügbar. Du kannst mithilfe des slackpkg Kommandos über den Parameter file-search herausfinden, welche Pakete das Programm kdesu bereitstellen.

Öffne dazu ein Terminal, und erlange mithilfe von su - Root-Rechte. Führe die Suche mit dem slackpkg Programm aus.

su -
slackpkg file-search kdesu

Der file-search Parameter durchsucht alle verfügbaren Pakete nach dem angegebenen Suchbegriff, in diesem Falle kdesu. Die Pakete kde-cli-tools und kdesu enthalten diesen Begriff.

Sollte die Ausgabe im Terminal zu lang sein um vollständig dargestellt werden zu können, kannst du wahlweise das Mausrad (falls verfügbar), die Scrollfunktion deines Touchpads oder Shift+PageUp/PageDown nutzen, um den vorherigen Inhalt darzustellen.

Die fehlenden Pakete kannst du wie gewohnt mit slackpkg installieren. Zusätzlich werden einige Abhängigkeiten benötigt.

slackpkg install kde-cli-tools kdesu
slackpkg install kwidgetsaddons kwindowsystem kpty ki18n kconfig kcoreaddons kservice kdbusaddons

Wenn du nun eine der genannten Anwendungen wie Zenmap (as root) aus dem Anwendungsmenü in der Kategorie Internet startest, fordert dich das Hilfsprogramm kdesu zur Eingabe des Root-Passworts auf:

Drag and Drop in der Fensterliste

Bei der Fensterliste handelt es sich um den Teil des oberen Panels, in dem die Namen der geöffneten Programme angezeigt werden und du zwischen ihnen wechseln kannst. Standardmässig gruppiert Xfce die Anwendungen in der Fensterliste.

Du kannst die Einstellungen der Fensterliste öffnen, indem du mit der rechten Maustaste auf die vertikalen Punkte neben dem Anwendungsmenü klickst und den Punkt Eigenschaften wählst:

Im Pull-Down-Menü Sortierreihenfolge kannst du auf Drag and Drop umstellen, um zu erreichen, dass du die Fensterknöpfe manuell umsortieren kannst.

Dies kann hilfreich sein, wenn du zum Beispiel den Fensterknopf für den Texteditor direkt neben dem Terminal platzieren möchtest, um schneller hin- und herwechseln zu können.

Probiere es aus, indem du bei mehreren geöffneten Fenstern auf einer Arbeitsfläche einen Knopf mit gedrückt gehaltener linker Maustaste auswählst und an eine andere Position verschiebst.

Einfacher Klick

Solltest du einfache Klicks zum Öffnen von Dateien und Ordnern bevorzugen, so lässt sich dies einfach aktivieren. Öffne dazu die Dateiverwaltung Thunar. Klicke im Menü auf Bearbeiten -> Einstellungen und wähle dort den Reiter Verhalten. Wähle den Punkt Einfacher Klick zum Aktivieren von Objekten:

Um den einfachen Klick auch für Objekte auf dem Desktop zu aktivieren, klicke mit der rechten Maustaste auf einen freien Bereich auf dem Desktop und wähle den Punkt Schreibtischeinstellungen:

Unter dem Reiter Symbole hast du die Möglichkeit die Option Einfacher Klick, um Objekte zu aktivieren zu setzen:

Virtuelle Arbeitsflächen.

Viele Linux-Desktopumgebungen bieten sogenannte virtuelle Arbeitsflächen an. Dabei handelt es sich um weitere Desktops, zwischen denen man hin- und herwechseln kann. Unter Xfce kannst du über das Panel einfach die gewünschte virtuellen Arbeitsfläche wählen. Standardmässig stehen vier Arbeitsflächen zur Verfügung. Durch einen Klick auf das entsprechende Symbol kannst du die Arbeitsfläche wechseln. Du findest es im rechten Bereich des oberen Panels. Das Symbol ist bei vier Arbeitsflächen in vier Blöcke unterteilt. Der erste steht für die erste Arbeitsfläche, der zweite für die zweite und so weiter. Versuche einmal auf die zweite Arbeitsfläche zu wechseln.

Du wirst feststellen, dass dort bisher noch keine Programme geöffnet worden sind. Starte eine Applikation und wechsle zurück auf die erste Arbeitsfläche. Die neu gestartete Applikation ist nur auf der zweiten Arbeitsfläche verfügbar. Wechsle zurück auf die zweite Arbeitsfläche und klicke mit der rechten Maustaste auf die Titelleiste der Applikation (in diesem Beispiel verwenden wir Thunar). Wähle im Menü den Punkt Fenster auf eine andere Arbeitsfläche verschieben und im Untermenü 1 (Arbeitsfläche 1). Das Fenster wird auf die erste Arbeitsfläche verschoben:

Mit dieser Methode kannst du deine Arbeit sehr gut gruppieren.

Die Anzahl der verfügbaren Arbeitsflächen kannst du einstellen, indem du mit der rechten Maustaste auf den Arbeitsflächenumschalter klickst (dieser wird auch als Pager bezeichnet).

Unter Anzahl lässt sich festlegen wie viele virtuelle Arbeitsflächen zur Verfügung stehen sollen. In diesem Beispiel haben wir die Anzahl auf 2 reduziert. So könntest du zum Beispiel eine Arbeitsfläche für Privat und eine andere für Arbeit verwenden oder für Internet- und Offline Applikationen. Die Möglichkeiten sind vielfältig.

Probiere im Alltag ein wenig aus, ob dir die Arbeit mit virtuellen Arbeitsflächen zusagt oder nicht. Es besteht kein Zwang diese zu nutzen, sie könnten aber einen Mehrwert darstellen, wenn du den passenden Einsatzzweck gefunden hast.

Whisker Menu

Als alternatives Startmenü kann unter Xfce das Whisker Menu installiert werden. Es handelt sich um ein Windows-Ähnliches Startmenü.

Die Installation erfolgte bereits mit der Xfce Oberfläche. Das Menü kann über die Anwendungsleiste oben rechts mit einem Rechtsklick hinzugefügt werden. Dafür wird Leiste > Neue Elemente hinzufügen gewählt.

Im neu geöffneten Fenster kann nach whisker gesucht werden und anschliessend auf Hinzufügen geklickt werden. Somit sollte nun oben rechts ein neues Feld erschienen sein, über welches das Whisker Menu geöffnet werden kann.

Damit hast du die grafische Oberfläche deines Linux Systems erfolgreich eingerichtet und grundlegend konfiguriert. Schaue dich ein wenig um und entdecke die enthaltenen Applikationen. Im folgenden Teil geht es um die Installation einiger wichtiger Zusatzapplikationen.

Programme < PDF >

https://linuxkurs.ch/kurs/Programme.pdf

Programme < HTML >

https://linuxkurs.ch/kurs/Programme.html


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